Dank moderner elektronischer Steuerung arbeitet ein pneumatisches Magnetventil 5 bis 20 Millisekunden schneller als ein Lidschlag (100 bis 400 Millisekunden). Das bedeutet, das Ventil betätigt sich 20 Mal, während ein Mensch nur einmal blinzelt. Diese extrem hohe Geschwindigkeit ermöglicht es Maschinen, fehlerhafte oder unregelmäßige Bonbons mithilfe von Druckluft aus dem Vorratsbehälter auszuwerfen. Die schnellen Schaltvorgänge sind zudem äußerst zuverlässig. Ein pneumatisches Magnetventil kann 20 bis 50 Millionen Schaltzyklen (ein vollständiges Öffnen und Schließen des Ventils) durchlaufen, einige High-End-Modelle erreichen sogar 200 Millionen Zyklen.
Dieser Beitrag bietet einen umfassenden Überblick über pneumatische Magnetventile. Wir erläutern ihre Funktionsweise, Typen, Bauteile, Anwendungsbereiche, Bedeutung in der Automatisierung und Auswahlkriterien beim Kauf.
Diese Ventile vereinen elektrotechnische und mechanische Eigenschaften. Sie funktionieren über elektrische Signale eines Steuergeräts, die die mechanische Reaktion auslösen, welche den Luftdurchlass ermöglicht oder unterbricht. Vereinfacht gesagt, bilden sie die Schnittstelle zwischen speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) und pneumatischer Bewegung. Mit einem schwachen elektrischen Signal können diese Geräte mechanische Bewegungen unter hohem Druck steuern.
Die grundlegende Funktion des pneumatischen Magnetventils besteht in der Umwandlung von elektrischer in magnetische Energie, die schließlich in mechanische Energie umgewandelt wird. Es arbeitet mit einer Spannung von 24 V Gleichstrom, dem Standard für industrielle Anwendungen. Der Strom fließt durch die Kupferspule und induziert ein Magnetfeld, das sich im Eisenkern des Ventils konzentriert. Der Kolben bzw. Anker ist mit dem Eisenkern verbunden und setzt sich in Bewegung. Diese Bewegung bewirkt das Öffnen oder Schließen kleiner Öffnungen oder Schieber, die je nach Ausführung verschiedene Anschlüsse verbinden. Dadurch wird Luft einem Zylinder zugeführt oder abgeführt.
Vereinfacht ausgedrückt lautet die Reihenfolge:
Spulenaktivierung → Magnetfeld → Interne Verschiebung → Luftstrom
Für pneumatische Magnetventile gibt es verschiedene Ansteuermethoden. Hier ist die Liste in der Reihenfolge ihrer häufigsten Anwendungsgebiete:
SPS-/Fernsteuerung: Dies ist die gebräuchlichste Technik, bei der eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) zur Ansteuerung des Magnetventils verwendet wird.
Proportionalregelung: Dieses Verfahren ermöglicht es dem Magnetventil, eine bestimmte Position mittels Pulsweitenmodulation (PWM) zu halten. Das bedeutet, dass das pneumatische Magnetventil je nach Bedarf eine Position von 20 %, 30 %, ..., 100 % einnehmen kann.
Intelligente Überwachung: In der Industrie 4.0 melden diese Ventile Zykluszeiten und Reaktionszeiten an einen zentralen Steuerungsrechner zur vorausschauenden Wartung zurück.
Manuelle Übersteuerung: Zur manuellen Bedienung sind kleine Knöpfe oder Auslöser am Ventil angebracht.
Die zum Bewegen des Kolbens benötigte Kraft kann mit einer einfachen Formel berechnet werden:
F=B²*A/2*uo
B = Flussdichte, die von der Anzahl der Spulen und dem Strom abhängt.
A = Querschnittsfläche des Kolbens
µo = Permeabilität bedeutet, dass ein hochwertigeres ferromagnetisches Material eine größere Kraft erzeugt.
Der Schieber ist die Schlüsselkomponente, die die Luftströmung zwischen den verschiedenen Anschlüssen des pneumatischen Magnetventils steuert. Bei Hochtemperatur-Magnetventilen ist der Schieber eine zylindrische Stange mit Erhebungen und Nuten. Luft strömt in das Magnetventilgehäuse und drückt von beiden Seiten auf den Schieber, wodurch dieser nicht gegen den Luftdruck arbeiten muss.
Wenn die Nut mit der Öffnung übereinstimmt, lässt sie Luft durch. Ein erhöhter Bereich hingegen blockiert den Luftstrom. Man kann sich die Spule wie eine Reihe von Hanteln vorstellen, die im Fitnessstudio aneinandergereiht sind.
Das Ansprechverhalten des pneumatischen Magnetventils auf die Ansteuerung ist genauso wichtig wie die Ansteuerung selbst. Der Schieber bewegt sich konstruktionsbedingt in die vorgegebene Position. Im Folgenden werden drei Mechanismen beschrieben, die häufig in Magnetventilen zum Einsatz kommen:
Monostabil: Eine mechanische Feder drückt die Feder in ihre Ausgangsposition zurück. Der sichere Zustand entspricht typischerweise den Prozessanforderungen.
Bistabil: Diese Ventile behalten ihre Position auch bei Stromausfall bei. Sie bestehen aus zwei Spulen.
Pilotgesteuert: Bei diesen Ventilen drückt der Systemdruck den Schieber in seine neutrale Position.
Diese Magnetventile besitzen drei Anschlüsse: Einlass, Auslass und Abluft. Der Schieber kann in zwei Positionen arretiert werden. Sie werden hauptsächlich für Zylinder eingesetzt, die durch Federn in eine Neutralstellung vorgespannt sind (sogenannte einfachwirkende Zylinder), oder sie dienen als Luftschalter. Es gibt drei Arten von 3/2-Wege-Ventilen:
Normalerweise geschlossen: Im stromlosen Zustand (DE) unterbricht die Spule den Luftstrom.
Normalerweise offen: Im Zustand DE lässt die Spule den Luftstrom durch.
Universell: Kann je nach Benutzerwahl als NC oder NO fungieren.
Ein pneumatisches 4/2-Wege-Magnetventil verfügt über vier Anschlüsse: einen Einlass, zwei Auslässe und einen gemeinsamen Abluftanschluss. Es hat zwei Betriebsstellungen. In diesem Fall wird durch einen Anschluss Druckluft zugeführt, während der andere entlüftet und so die Kolbenbewegung ermöglicht.
Hinweis: Da ein gemeinsamer Auslass verwendet wird, lässt sich die ausgestoßene Luftmenge nicht steuern. Das bedeutet, dass sich der zugehörige Zylinder in beide Richtungen mit der gleichen Geschwindigkeit bewegt.
Der Goldstandard für moderne Industrieanwendungen ist das 5/2-Wege-Ventil. Es eignet sich ideal für doppeltwirkende Zylinder. Es verfügt über fünf Anschlüsse, zwei Ausgänge, einen Einlass und zwei Abluftöffnungen. Folgende Merkmale sind verfügbar:
Monostabil
Bistabil
Unabhängige Geschwindigkeitsregelung
Diese Ventile haben die gleichen Anschlüsse wie das 5/2-Wege-Magnetventil, verfügen aber zusätzlich über eine Mittelstellung. Sie befinden sich in der Mittelstellung, wenn keines der Magnetventile angesteuert wird.
Geschlossenes Zentrum: Blockiert jegliche Luftzufuhr.
Abluftzentrum: Beide Seiten entlüften für manuelle Ventilbetätigung oder Notfall.
Druckzentrum: Luftzufuhr zu beiden Seiten. Die tote Seite des Zylinders hat eine größere Oberfläche, während die Kolbenstangenseite aufgrund der Kolbenstange selbst eine kleinere Oberfläche aufweist. Das bedeutet, dass sich der Zylinder zur toten Seite hin bewegt.
| Ventiltypen | Häfen | Positionen | Am besten geeignet für |
| 3/2-Wege | 3 | 2 | Einfachwirkende Zylinder, Luftleitventile, Überdruckventile |
| 5/2-Wege | 5 | 2 | Doppeltwirkende Zylinder (Standardbewegung) |
| 5/3-Wege | 5 | 3 | Positionierung in der Mitte des Hubs, Sicherheitshaltung |
Gehäuse: Das Bauteil besteht aus eloxiertem Aluminium, Messing oder Edelstahl. Es verfügt über Öffnungen, die einen direkten Luftstrom ermöglichen.
Kernrohr: Ein nichtmagnetisches Rohr, das den Kolben umschließt und als Druckbehälter fungiert. Es hält den Druck im Inneren und lässt gleichzeitig das elektromagnetische Feld durch.
Fester Kern: Auch als Stopfenmutter bekannt, handelt es sich um ein feststehendes ferromagnetisches Bauteil am oberen Ende des Kernrohrs.
Kern: Er ist die Schlüsselkomponente, deren Bewegung von anderen Teilen des Magnetventils unterstützt wird. Es handelt sich um einen ferromagnetischen Stab, der sich auf und ab bewegt. Hochwertige Kolben verfügen oft über Abschirmringe zur Vermeidung von Brummgeräuschen und präzisionsgeschliffene Oberflächen zur Reibungsreduzierung.
Kernfeder: Bringt den Kolben in die ausfallsichere Position.
Schaft: Mechanisches Bindeglied zwischen Kolben und Spule.
Schieber oder Scheibe: Bei einem Schieberventil handelt es sich um eine lange Stange mit Führungsnuten. Bei einem Tellerventil ist es eine Scheibe, die gegen einen Ventilsitz drückt. Diese sind häufig mit NBR, FKM oder PTFE beschichtet, um eine absolut dichte Abdichtung zu gewährleisten.
Spule: Tausende gedrehte Kupferspulen, die zum Schutz vor Feuchtigkeit und Vibrationen in Epoxidharz eingekapselt sind.
Modulares Gehäuse: Ermöglicht den Austausch der Spule von 24 V DC gegen eine 110 V DC-Spule, ohne die Anschlüsse demontieren zu müssen.
Robotik: Hochgeschwindigkeits-Pick-and-Place und automatisierte Montage.
Förderbänder: Schnelle Betätigung von Sortierklappen und Materialumlenkern.
Lagerhaltung: Modulare Ventilinseln für skalierbare, schnelle Paketsortierung.
Automobilindustrie: Steuerung von Druckluftbremsen, Federung und Schweißklemmen in Montagelinien.
Luft- und Raumfahrt: Leichtbauventile für Fahrwerke und Flugsteuerflächen.
Vibrationsfestigkeit: Spezielle Ausführungen für Fahrzeugumgebungen mit hoher Belastung.
Öl & Gas: Fernbetätigung von Rohrleitungsventilen mittels explosionsgeschützter Magnetventile.
Chemie/Pharma: Präzise Gasregelung in Reaktoren mit korrosionsbeständigen Gehäusen.
HLK: Automatisierte Dämpfer- und Zonensteuerung für mehr Energieeffizienz in Gebäuden.
Medizin: Präzise Sauerstoffzufuhr in Beatmungsgeräten und Diagnosegeräten.
Lebensmittel & Getränke: Abfüllung und Verpackung über FDA-konforme, abwaschbare Ventile.
Kontaminationskontrolle: Reinraumgerechte Konstruktionen für sterile Verarbeitungsumgebungen.
Hohe Leistungsfähigkeit: Die von der Spule erzeugte elektromagnetische Gesamtkraft ist stark, und die internen Komponenten weisen eine geringe Trägheit auf, was extrem niedrige Reaktionszeiten von 5 bis 10 ms ermöglicht.
Betriebseffizienz: Pneumatische Magnetventile benötigen nur minimalen Energieaufwand. Pilotgesteuerte Modelle nutzen zudem Druckluft, was den Strombedarf weiter reduziert.
Zuverlässigkeit und Sicherheit: Dank weniger beweglicher Teile erreichen diese Ventile eine Lebensdauer von 100 Millionen Schaltzyklen. Monostabile Ventile gewährleisten Sicherheit, indem sie nach dem Abschalten in einen sicheren Zustand zurückkehren.
Nahtlose Integration: Die Niederspannung ermöglicht die Steuerung über SPSen oder Relais und gewährleistet so die Betriebsfähigkeit in gefährlichen und unzugänglichen Umgebungen.
Intelligente Technologie: Die Integration von Industrie 4.0 ermöglicht es Ventilen, Echtzeit-Diagnosedaten zu übermitteln.
Schritt 1: Druckbereich
Die minimalen und maximalen Druckanforderungen des Systems müssen übereinstimmen. Prüfen Sie, ob eine Druckdifferenz erforderlich ist.
Schritt 2: Durchflusskapazität
Die Größe muss so gewählt sein, dass die Drehzahl des Aktuators nicht beeinträchtigt wird und Energie verschwendet wird.
Schritt 3: Materialien
Wählen Sie Gehäuse und Dichtungen anhand der Luftqualität und der Temperatur.
Schritt 4: Elektrische Spezifikationen
Um die Wärmeentwicklung zu begrenzen, sollten die Spannungen angepasst und Spulen mit niedriger Wattzahl bevorzugt werden.
Schritt 5: Zyklusgeschwindigkeit
Bestätigen Sie die Reaktionszeiten in Millisekunden und die Gesamtzykluslebensdauer für häufig genutzte Aufgaben.
Schritt 6: Montageart
Wählen Sie zwischen Inline-, Verteiler- oder direkter NAMUR-Montage.
Schritt 7: Umgebung
Prüfen Sie die IP- und NEMA-Schutzarten anhand der ATEX-Zertifizierungen für explosionsgefährdete Bereiche.
Schritt 8: Einhaltung der Vorschriften
Achten Sie auf branchenspezifische Kennzeichnungen wie CE, UL oder FDA.
Schritt 9: Effizienz
Entscheiden Sie sich für energiesparende Funktionen wie Zonenabschaltungen oder Verriegelungsspulen.
Frage 1: Worin besteht der Unterschied zwischen direktwirkenden und vorgesteuerten pneumatischen Magnetventilen?
Direktwirkende pneumatische Magnetventile nutzen elektromagnetische Kräfte zur Bewegung des Schiebers und eignen sich daher für geringe Durchflüsse. Bei hohen Durchflüssen wird ein vorgesteuertes Hebelsystem eingesetzt, um einen höheren Wirkungsgrad und eine optimierte Durchflussregelung zu gewährleisten.
Frage 2: Welche Wartungsarbeiten sind an pneumatischen Magnetventilen erforderlich?
Die Dichtungen sind am anfälligsten. Sie müssen zusammen mit den Spulen regelmäßig überprüft werden. Die regelmäßige Reinigung der Anschlüsse und die Prüfung der Ansprechzeit sind für die einwandfreie Funktion unerlässlich. Ein vorbeugender Wartungsplan gewährleistet die ordnungsgemäße Instandhaltung.
Frage 3: Sind pneumatische Magnetventile für die Proportionalsteuerung geeignet?
Bei Anwendungen, die eine Änderung der Durchflussrate erfordern, ist die Integration von PWM-Controllern ideal.
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